Philip Roth „Jedermann“ (*****)

Philip Roth_JedermannIch habe es ja schon oft gesagt, dass bestimmte Autoren oder bestimmte Bücher bei mir ihre Zeit haben. So ging es mir mit Philip Roth. Vor Jahren las ich „Der menschliche Makel“ und kam nicht richtig in das Buch hinein. Es war zwar nicht schlecht, aber hat mich eben auch nicht mitgerissen. Und nach all den Jahren nun also „Jedermann“, eher zufällig zur Hand genommen.

Und was soll ich sagen: Die Zeit für Philip Roth scheint für mich gekommen.

In „Jedermann“ dreht sich die Geschichte um einen namenlosen Protagonisten. Nachdem man als Leser zunächst seiner Beerdigung beiwohnt (und damit jeglicher Hoffnung auf ein „Happy End“ beraubt ist), wird sein Leben erzählt. Mal in erinnernden Rückblenden, mal in der Gegenwart. Dabei kämpft er unentwegt gegen die eigene Sterblichkeit und wird doch immer wieder mit ihr konfrontiert.

Schlaglichtartig wirft Philip Roth einen Blick auf die Lebensentscheidungen des Jedermann an den Wendepunkten seines Lebens. Dabei zerbrechen Familien, entstehen berufliche Erfolge in der Werbung oder hadern Kinder mit ihrem Vater. Und schlussendlich stehen Verlust und Reue gegen die Gleichmut, mit der er sein Schicksal hinnimmt.

Eigene Entscheidungen werden zu spät reflektiert. Etwa dann, wenn er bemerkt, dass ihm liebende Menschen fehlen, die ihm Trost spenden könnten. Und dass er an dieser ausweglosen Situation selbst Schuld trägt, weil er in seinem Leben Fehlentscheidungen getroffen hat.

Philip Roth nimmt „Jedermanns“ Leben mit allen Stärken und Schwächen förmlich auseinander. Intime Details zum körperlichen Verfall über die Jahre wechseln sich mit Beschreibungen seiner Lebensstationen ab. Aber selbst in den Beschreibungen des „Lebens“ wird er immer wieder mit dem Tod konfrontiert. Ob eigene Krankheiten oder das Einbrechen des Todes an einem Lieblingsort seiner Kindheit.

Im Tonfall bleibt Roth dabei immer ruhig, manchmal sogar heiter und lakonisch. Trotzdem ist es ein trauriges Buch, das nicht gerade Trost und Hoffnung spendet.

Es ist nun wahrlich kein neues Thema, das Roth da aufgreift. Aber doch eines, an dem sich die Menschen noch in Jahrhunderten abarbeiten werden. Der ganze Roman ist nur ca. 160 Seiten lang. Und doch entfalten sich darin ein ganzes Leben und universelle Gedanken.

Große Literatur; Hut ab, Philip Roth. Jetzt passt es mit uns beiden.

Hermann Hesse „Siddharta“ (****)

Hermann Hesse_SiddhartaHermann Hesse zählt ja zu den beliebtesten Schriftstellern der Deutschen. Bisher hatte ich mich vor Jahren nur einmal an das „Glasperlenspiel“ gewagt und nach der Hälfte des Buches abgebrochen. Ich denke, dass man für die Bücher Hesses eine gewisse Lebenserfahrung mitbringen sollte, um sie wirklich zu verstehen. Damals war ich eben noch nicht so weit.

Nun also „Siddharta“. Wie wohl alle Wohlstandskinder meines Alters bin ich auf der Suche nach dem Sinn des Lebens bzw. einem Lebensweg, der Zufriedenheit und Erfüllung verspricht. Sicher, das sind große Wünsche, aber nur große Wünsche führen zu einschneidenden Erkenntnissen und Veränderungen. Daher wird wohl jeder Sinnsuchende irgendwann über „Siddharta“ stolpern.

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