Sascha Arango „Die Wahrheit und andere Lügen“ (***,*)

Sascha Arango_Die Wahrheit und andere LügenHenry ist ein erfolgreicher Schriftsteller und scheint es geschafft zu haben. Wohlhabend, verheiratet, erfolgreich, Haus am Meer … Er hat nur ein Problem: die Bücher sind nicht von ihm. Aber inzwischen hat er sich in seiner Welt eingerichtet und seine Frau ist ihm dankbar dafür. Bis seine Geliebte ihm eröffnet, dass sie ein Kind von ihm erwartet.

Er möchte es zunächst seiner Frau beichten, entscheidet sich dann aber dagegen. Seine Alternative schlägt jedoch gnadenlos fehl – er geht zu weit.

Dann nimmt die Geschichte ihren Lauf. Henrys wohl geordnete Existenz gerät ins Wanken. Er manipuliert und lügt sich durch sein Leben, ein regelrechtes Lügengebäude türmt sich auf. Manchmal schwankt es bereits bedrohlich, aber noch hält es.

Die Story liest sich flüssig weg, hakt aber dann doch an der einen oder anderen Stelle. Einige Zeitsprünge sind nicht richtig nachvollziehbar und mehrere Andeutungen, z.B. in der persönlichen Geschichte Henrys, bleiben unaufgeklärt. Sascha Arango schreibt ja sonst Drehbücher, unter anderem für den „Tatort“. Da mögen die Andeutungen noch reichen, oder durch die Schauspieler aufgefangen werden. In einem Roman funktioniert das leider nicht. Sprachlich liest sich der Roman flüssig, wobei dann doch manchmal Wörter auftauchen, die nicht zum Rest der Sprache passen. Diese Sätze reißen einen aber nur kurz aus dem Text. Der Rest lebt dann von der Spannung, die durchaus aufkommt.

Es gibt eine Menge von handelnden Personen im Buch. Natürlich der Schriftsteller und seine Frau. Dann die Verlagsseite mit dem Verleger und Betty, seiner Lektorin und Geliebten. Hinzu kommt noch eine Fischerfamilie im Dorf, die Ausflüge in die Belegschaft der ermittelnden Polizei und natürlich Henrys Beziehung zu Fasch.

Aber insgesamt konnte mich keiner der Charaktere wirklich berühren. Einige werden nur unzureichend eingeführt, andere gar nicht erst weiterverfolgt, obwohl Andeutungen im Raum stehen. Sie bleiben schemenhaft und somit unwirklich.

Zwischen den Zeilen schimmert auch immer ein wenig skurriler Humor. Etwa, wenn Arango das Verlagsgeschäft beschreibt und den Hype um einen erfolgreichen Autor. Oder als Fasch´s Wohnung abbrennt (wie, wird hier nicht verraten). Auch in die Handlung selbst sind Szenen eingewoben, die sehr humorvoll und augenzwinkernd geschrieben sind.

Begeistert war ich von dem Roman nicht. Ich kann auch die teils hymnischen Rezensionen in den Feuilletons nicht nachvollziehen. So würde ich nur 3 Sterne vergeben.

Aber diese schwer zu fassende Stimmung, die auch schon die Ripley-Romane von Patricia Highsmith auszeichnet, führt dann doch fast zum vierten Stern. Diese unterschwellige Bedrohungssituation, immer ein leichtes Unbehagen beim Lesen und die Erkenntnis, dass der Böse gar nicht so böse ist. Das muss man erst mal so hinkriegen.

Hier gilt wohl: selbst eine Meinung bilden. Tausende, begeisterte Leser können ja wohl nicht irren (?).

John Irving „In einer Person“ (****)

John Irving „In einer Person“ (****)

Wenn einer meiner Lieblingsautoren einen Roman herausbringt, ist er gekauft. Auch wenn ich bei John Irving in den letzten Jahren nie wusste, ob er mich enttäuscht oder glückselig zurücklassen wird. Mit diesem Roman hat er beides geschafft.

John Irving, 1942 in Exeter, New Hampshire, geboren wuchs als ältestes von vier Kindern auf. Sein Vater war Lehrer und Spezialist für russische Geschichte und Literatur. Mit 19 Jahren wusste Irving, was er werden wollte: Ringer und Romancier. Er studierte englische Literatur und unterrichtete auch Kreatives Schreiben. Aufenthalte in Wien und auf der Ringermatte gehören, ebenso wie abwesende Väter zu den Hauptthemen seiner Werke. 2000 erhielt er sogar einen Oscar für die beste Drehbuchadaption für seinen von Lasse Hallström verfilmten Roman „Gottes Werk und Teufels Beitrag“. Er lebt heute in Toronto und im südlichen Vermont.

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