Fred Vargas „Das barmherzige Fallbeil“ (****)

Fred Vargas_Das barmherzige FallbeilFred Vargas ist eine meiner Lieblingsautorinnen. Ihre Krimiserie rund um Kommissar Adamsberg habe ich fest ins Herz geschlossen. Sobald es einen neuen Teil der Serie gibt, fiebere ich schon darauf hin. Und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht, auch wenn einige Kleinigkeiten in meinen Augen nicht so ganz passten.

Adamsberg ist also zurück. Diesmal werden innerhalb weniger Tage die Leichen einer Mathematiklehrerin und eines reichen Schlossherrn in Paris entdeckt, die vermeintlich Selbstmord begangen haben.

Als Adamsberg auf ein Zeichen an den Tatorten aufmerksam wird, ist jedoch sein Spürsinn geweckt. Es stellt sich heraus, dass die Lehrerin vor ihrem Tod dem labilen Sohn des zweiten Toten einen Brief geschrieben und ihn gar besucht hat. Die Spurensuche beginnt. Nur führen diese merkwürdigerweise Jahre zurück zu einer Island-Expedition und gleichzeitig in die Tiefen der französischen Revolution, unter der Schreckensherrschaft Robespierres. Und weitere Menschen sterben.

Den Roman bevölkern wie immer tolle Charaktere, allesamt liebenswürdig und ein bisschen überspitzt. Wenn man die Vorbände nicht gelesen hat, wird man wohl von den Eigenarten der Brigade etwas überrumpelt und findet das alles ein bisschen zu dick aufgetragen. Aber als langjähriger Leser ist das wie Nachhause kommen. Ich mag es.

Auch die Figuren des Mordfalls haben so ihre Eigenheiten. Sie sind verschroben und jeder von ihnen trägt sein eigenes kleines Päckchen mit sich herum, das ihn verdächtig macht. Große Kunst.

Besonders haben mir die Ausflüge in die französische Geschichte gefallen. Die Schilderungen der Versammlungen haben schon ihren besonderen Reiz. Aber auch die Reise nach Island hat es in sich. Wie sie zur Spaltung der Brigade führt, wie die kleine Gruppe von den Bewohnern aufgenommen und in die Sagenwelt Islands eingeführt wird, liest sich richtig gut.

Im Endeffekt eine wilde Geschichte, in der am Ende aber alles zusammen passt. Leicht skurril, charmant, spannend, mythisch – ungewöhnlich. Es ist wie immer. Eine Mischung aus Krimi, Märchen und mythischem Roman. Gefällt mit Sicherheit nicht jedem, aber wer einmal Blut geleckt hat, kommt davon nicht mehr los.

Die Story konnte mich nicht ganz überzeugen, gerade die Motive der beteiligten Personen. Gegen Ende wird die Geschichte dann zu komplex. Auch die Übersetzung holpert gerade zu Beginn ein wenig, was den Einstieg ins Buch erschwert.

Und Adamsberg schien sich im Gegensatz zu den letzten Romanen auch ein wenig verändert zu haben. Mehr Chef als Träumer. Und ich muss gestehen, gerade den Träumer, der in dem ihm eigenen Tempo ermittelt, mochte ich lieber.

Aber das ist Meckern auf ganz hohem Niveau. Die Krimis von Fred Vargas ragen deutlich aus dem (skandinavischen) Einheitsbrei heraus. Bitte mehr davon.

Fred Vargas „Die Nacht des Zorns“ (****,*)

Fred Vargas „Die Nacht des Zorns“ (****,*)

Fred Vargas polarisiert. Die Romane rund um Kommissar Adamsberg sind keine gewöhnlichen Kriminalromane. Keine forensischen Beweise, keine Pathologie, keine wilden Verfolgungsjagden oder Schießereien. Einfach ein Kommissar, der ermittelt und sich dabei treiben lässt.

Fred Vargas´ Bücher sind nicht jedermanns Sache. Einfach mal Reinlesen funktioniert bei dieser Autorin nicht. Sie sollten sich schon einen ganzen Roman gönnen. Nur dann kann sich das Ungewöhnliche ihrer Bücher entfalten.

Fred Vargas ist ein Künstlername. Die 1957 geborene Autorin wuchs in einem sehr kunstbetonten Haushalt auf. Der Vater war Kulturjournalist. Ihre Zwillingsschwester konnte sich dem wohl ebenso nicht entziehen und wurde Malerin.

Von Hause aus ist Fred Vargas Archäologin und Historikerin. Seit Mitte der Neunziger Jahre veröffentlicht sie Romane und Erzählungen, wobei sie die Romane um den eigenwilligen, wolkenschaufelnden Kommissar Adamsberg berühmt gemacht haben. Fred Vargas lebt heute mit ihrem Sohn in Paris.

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