Jane Gardam „Ein untadeliger Mann“ (****,*)

Jane Gardam_Ein untadeliger MannJane Gardam ist inzwischen über 80 Jahre alt, hat unzählige Werke veröffentlicht und ist in Großbritannien ein Star. Sie kennen sie nicht? Macht nichts, ich hatte vorher auch in keiner Weise von ihr gehört. „Ein untadeliger Mann“ ist nun der erste Roman, der ins Deutsche übersetzt wurde. Das Buch ist Teil eine Trilogie, wobei der zweite Teil im März 2016 erschien. Und beim Schreiben dieser Rezension frage ich mich, warum zum Henker hat bisher noch niemand diese Frau bei uns bekannt gemacht?

Der scheinbar untadelige Mann heißt Edward Feathers, war Kronanwalt und Richter in Hongkong und verbringt seinen Lebensabend in England. Als seine Frau Betty stirbt, gerät seine so wohl geordnete Welt ins Wanken. Edward, der stets wie aus dem Ei gepellt daherkommt, durchlebt eine Krise, bei der Rückblicke in seine Vergangenheit nicht ausbleiben. Viel mehr möchte ich von der Geschichte nicht preisgeben.

Der Roman pendelt immer wieder zwischen verschiedenen Zeitebenen. Um zu verstehen, wie Edward zu dem wurde, der er ist, sind tiefe Blicke in seine Kindheit notwendig. Und die vielen Einblicke sind nicht unbedingt chronologisch erzählt. Aber es macht alles Sinn. Wenn es zwischendrin etwas wirr wird, so ist dies Edwards Zustand geschuldet.

In mehreren Ebenen erzählt Jane Gardam in herausragend lebendiger Sprache von Edwards Kinderjahren in Fernost. Von seiner Waisenzeit in England, von Schulbesuchen, vom Krieg und familiären Verstrickungen. Von Tod und Leben, von Liebe und Hass. Von Selbstbeherrschung bis Kontrollverlust, von Jugend und Alter. Und das alles sehr unaufgeregt.

Für mich ein Roman, der die Welt umspannt, das Menschsein erklärt und dabei doch etwas im Dunkeln lässt. Etwas, dass uns Menschen begreiflich macht und gleichwohl nicht ausgesprochen oder aufgeschrieben werden kann. Wie Episoden unseres Lebens noch Jahrzehnte später ihre Auswirkungen haben und wie wir uns die eigene Existenz zurechtlegen. Wie wir den Zufällen unterworfen sind.

Edward ist mir während des Lesens wirklich ans Herz gewachsen. Es bleiben zwar Handlungsstränge offen, was dem Roman aber keinen Abbruch tut. Schließlich kommen ja noch zwei weitere Teile. Und so, wie Jane Gardam ihre Figuren ausleuchtet, wie sie mit leichter Ironie menschliche Abgründe, Schicksale und das Empire aufs Korn nimmt, freue ich mich drauf.

Philip Roth „Jedermann“ (*****)

Philip Roth_JedermannIch habe es ja schon oft gesagt, dass bestimmte Autoren oder bestimmte Bücher bei mir ihre Zeit haben. So ging es mir mit Philip Roth. Vor Jahren las ich „Der menschliche Makel“ und kam nicht richtig in das Buch hinein. Es war zwar nicht schlecht, aber hat mich eben auch nicht mitgerissen. Und nach all den Jahren nun also „Jedermann“, eher zufällig zur Hand genommen.

Und was soll ich sagen: Die Zeit für Philip Roth scheint für mich gekommen.

In „Jedermann“ dreht sich die Geschichte um einen namenlosen Protagonisten. Nachdem man als Leser zunächst seiner Beerdigung beiwohnt (und damit jeglicher Hoffnung auf ein „Happy End“ beraubt ist), wird sein Leben erzählt. Mal in erinnernden Rückblenden, mal in der Gegenwart. Dabei kämpft er unentwegt gegen die eigene Sterblichkeit und wird doch immer wieder mit ihr konfrontiert.

Schlaglichtartig wirft Philip Roth einen Blick auf die Lebensentscheidungen des Jedermann an den Wendepunkten seines Lebens. Dabei zerbrechen Familien, entstehen berufliche Erfolge in der Werbung oder hadern Kinder mit ihrem Vater. Und schlussendlich stehen Verlust und Reue gegen die Gleichmut, mit der er sein Schicksal hinnimmt.

Eigene Entscheidungen werden zu spät reflektiert. Etwa dann, wenn er bemerkt, dass ihm liebende Menschen fehlen, die ihm Trost spenden könnten. Und dass er an dieser ausweglosen Situation selbst Schuld trägt, weil er in seinem Leben Fehlentscheidungen getroffen hat.

Philip Roth nimmt „Jedermanns“ Leben mit allen Stärken und Schwächen förmlich auseinander. Intime Details zum körperlichen Verfall über die Jahre wechseln sich mit Beschreibungen seiner Lebensstationen ab. Aber selbst in den Beschreibungen des „Lebens“ wird er immer wieder mit dem Tod konfrontiert. Ob eigene Krankheiten oder das Einbrechen des Todes an einem Lieblingsort seiner Kindheit.

Im Tonfall bleibt Roth dabei immer ruhig, manchmal sogar heiter und lakonisch. Trotzdem ist es ein trauriges Buch, das nicht gerade Trost und Hoffnung spendet.

Es ist nun wahrlich kein neues Thema, das Roth da aufgreift. Aber doch eines, an dem sich die Menschen noch in Jahrhunderten abarbeiten werden. Der ganze Roman ist nur ca. 160 Seiten lang. Und doch entfalten sich darin ein ganzes Leben und universelle Gedanken.

Große Literatur; Hut ab, Philip Roth. Jetzt passt es mit uns beiden.

Anthony Doerr „Alles Licht das wir nicht sehen“ (****,*)

Anthony Doerr_Alles Licht das wir nicht sehenSeit Monaten stand er schon auf meiner Leseliste und dann gab die Pulitzer-Preisverleihung den Ausschlag, nun endlich damit anzufangen. Zurückgehalten hatten mich zunächst die eng bedruckten, gut 500 Seiten. Ich wollte mir Zeit für dieses Buch nehmen. Und das war auch gut so. Es kein Roman, den man mal eben so zwischendurch liest.

Erzählt werden hauptsächlich die Geschichten von Marie-Laure und Werner. Marie-Laure ist ein blindes Mädchen, das zusammen mit ihrem Vater in die Wirren des 2. Weltkriegs gerät, während Werner auf deutscher Seite den fast schon klassischen Lebenslauf eines Wehrmachtsmitglieds erfährt. Beide versuchen, das Leben zu meistern, so gut es eben geht. Und für einen Moment treffen sich die beiden an der französischen Küste.

Den Roman machen vor allem seine Charaktere und die grandiose Sprache aus. Beschreibungen, die man wirklich fühlt; egal ob es das Paris der blinden Marie-Laure oder die salzige Atmosphäre am Meer von Saint-Malo ist. Egal ob im Pariser Museum oder im Kohlerevier des Ruhrgebiets. Den Pulitzer-Preis hat dieses Buch völlig zu Recht bekommen. Die Geschichte selbst ist nicht von atemloser Spannung getrieben, auch wenn es hin und wieder spannende Momente gibt. Aber es sind vielmehr die kleinen, manchmal skurrilen Begebenheiten, die diesem Roman seinen Charme verleihen.

Den halben Stern Abzug gibt es übrigens, weil der Roman dann ein wenig Überlänge vor sich herschiebt. Trotz der meist kurzen Kapitel hätte er an der einen oder anderen Stelle noch ein wenig gestrafft werden können. Die Handlung gibt die Länge nicht ganz her. Manchmal verliebt sich Anthony Doerr ein wenig zu sehr in seine eigene Sprache.

Und überhaupt: die Charaktere!

Da ist Marie Laure mit ihrem Vater (übrigens meine Lieblingsfigur im Buch). Wie sich die Vaterliebe in den vielen kleinen Details zeigt, liest sich schon großartig. Es sind die vielen kleinen Einfälle des Vaters: ob er ihr ein detailgetreues Modell des Viertels nachbaut, damit sie sich zurechtfinden kann, oder ob er sie mit ins Museum nimmt, wo sich für sie ganz neue Welten erschließen. Oder wie er Marie-Laure fast unerschwingliche Bücher in Blindenschrift besorgt, die dieses dann verschlingt. Oder, oder, oder … Und die vielen Menschen, die Marie an der Küste begleiten. Ob der verschrobene Onkel oder die Besitzerin der Bäckerei – alle haben sie sich mir eingeprägt.

Da ist Werner, der als Waisenkind im Ruhrgebiet aufwächst. Seine technischen Begabungen, seine Sehnsüchte, wenn er heimlich Radioempfänger baut und damit fremdartigen Programmen lauscht. Seine Schwester, die es mit wenigen Worten und kleinen Gesten schafft, die Saat des Zweifels am nationalsozialistischen System zu säen. Und wie diese nach und nach aufgeht. Oder Werners Freund an der Nazi-Erziehungsanstalt, der lieber Vögel beobachtet, als Menschen zu jagen … Oder, oder, oder …

Ein wundervoller Roman, voller Ideen und fantastischer Charaktere. Geschrieben in einer Sprache, die man leider selten findet. Unbedingte Leseempfehlung!

Mark Billingham „Die Lügen der Anderen“ (****)

Mark Billingham_Die Lügen der AnderenIch bin ja ein Fan der Inspektor-Thorne-Reihe von Mark Billingham. Davon gibt es inzwischen elf Bände. Aber wie das manchmal so ist – die Autoren richten sich nicht nach meinen Wünschen (nächster Thorne-Band bitte!), sondern machen etwas völlig anderes. In diesem Roman kommt mein Lieblingsermittler leider nur am Rande vor, denn es ist ein für sich stehendes Buch geworden. Oft wurde ich schon enttäuscht, wenn sich die Autoren nicht an meine Vorgaben gehalten haben ;-), aber diesmal nicht.

In einem Florida-Urlaub lernen sich drei Paare kennen und verbringen eine entspannte Zeit miteinander. Es scheint der perfekte Urlaub zu sein, bis am letzten Tag ein Mädchen spurlos verschwindet. Als sie wieder zurück in England sind, laden sie sich der Reihe nach ein und möchten das Urlaubsgefühl wieder auferstehen lassen. Aber sie tauschen sich auch über das verschwundene Mädchen aus.

Dann wird jedoch eine Mädchenleiche in Florida entdeckt und auch in England verschwindet ein Mädchen spurlos.

Die Ermittler auf beiden Seiten des Atlantiks haben inzwischen längst ihre Arbeit aufgenommen.

Es ist nur vordergründig ein Thriller oder Krimi. Vielmehr schafft es Mark Billingham, die einzelnen Charaktere richtig gut zu zeichnen. Und das sind nicht nur die drei Paare, die jedes für sich ihre eigenen Dämonen bekämpfen. Da sind zudem die Eltern der vermissten Mädchen und nicht zuletzt die beiden Ermittler. Jede der Personen steht einem als Leser richtiggehend vor Augen.

Fast jeder Charakter hat eine verdeckte Seite, die ihn nicht immer sympathisch erscheinen lassen. Einen Roman mit Figuren zu bevölkern, die man im Laufe des Lesens alle irgendwann mal nicht mag (und die zudem allesamt für den Mord in Frage kommen), muss man sich erst mal trauen.

Besonders wird die Handlung noch über die vielen Perspektivwechsel und Rückblenden (die Paare, die Ermittler, der/die TäterIn) vorangetrieben. Und die vielen Dialoge geben dem Ganzen einen gewissen Pfiff. Es gibt keine großen Actionszenen oder Knalleffekte, aber trotzdem steuert alles ganz subtil auf den einen Höhepunkt zu. Mit ein wenig Krimierfahrung ist der leider etwas vorhersehbar.

Der Roman bezieht seine Spannung auch aus den vielen Andeutungen und gegenseitigen Verdächtigungen der Paare. Nach und nach kommt heraus, dass keine Version der Beteiligten mit dem tatsächlichen Ablauf in Amerika übereinstimmt. Und die Stimmung schaukelt sich bis zum letzten Treffen immer weiter hoch. Konflikte und Kränkungen werden ausgesprochen, es kommt zu Gewalt. Wie Billingham das beschreibt, liest sich schon toll. Leider schafft er es nicht ganz, die Spannung über den gesamten Roman aufrecht zu halten. Ein, zwei kleinere Längen sind schon dabei.

Ein Buch über das Leben und die Liebe. Über Hass, Kinder und Beziehungen. Schon mehr ein Gesellschaftsroman, als ein Thriller. Mit tollen Charakteren und psychologisch überzeugend. Lesenswert und unterhaltsam.

Milan Kundera „Das Fest der Bedeutungslosigkeit“ (**,*)

Milan Kundera „Das Fest der Bedeutungslosigkeit“ Wenn ein Autor über viele Jahre nicht schreibt bzw. veröffentlicht, kann das ja mehrere Gründe haben. Ist er krank, gebrechlich oder depressiv geworden? Hat er das Gefühl, einfach nichts mehr zu sagen zu haben? Bei Milan Kundera weiß man es nicht genau. Bei allem Respekt, ich würde auf das Alter tippen. Immerhin ist der gute Mann beim Schreiben des Romans bereits 85 Jahre alt.

Als ich das Buch bestellte, versuchte ich mich zu erinnern, wie es mir beim Lesen seiner früheren Romane ergangen ist. Ich las sie damals aufmerksam, sog die waghalsigen Gedanken in mich ein und blieb doch jedes Mal etwas verwirrt zurück. Aber in jener Verwirrtheit, die guttun kann. Milan Kundera zeigte ein ums andere Mal, dass man die Welt auch mit anderen Augen sehen kann.

Im „Fest der Bedeutungslosigkeit“ hatte ich jedoch das Gefühl, dass sich die Geschichte durch die Augen eines alten Mannes sah. Ein Alterswerk. In dem immer wieder durchschimmert, wie bedeutungslos das Leben für ihn geworden ist. Aber hat Literatur nicht die Aufgabe, eben dieses Bedeutungslose zu überwinden?

Eine Geschichte im herkömmlichen Sinne wird nicht erzählt. Es geht um 4 ältere Männer, die der Zufall zusammenwürfelt, und die sich auf einem Fest wiederbegegnen. Sie sind nicht unbedingt befreundet, aber untereinander zum Teil doch schon besser bekannt. Jeder lebt jedoch mit seinen Gedanken in seiner eigenen Welt. Sie meinen, die Welt und die Menschen zu durchschauen und bemitleiden sich in ihren Leben. Alain entwickelt komplizierte Theorien über die Lust der jungen Mädchen, den Bauchnabel zu zeigen. Ramon würde endlich gern die Chagall-Ausstellung besuchen. Charles erläutert Stalins Witze, bei denen niemals jemand lachte. Und Caliban, der Schauspieler ohne Rollen, erfindet eine eigene Sprache, über die nur er sich kaputtlachen kann. Sie bleiben in ihren prägenden Lebensmomenten stecken und haben sich seitdem nicht entwickelt. Mag das auch im Leben gelegentlich so sein, in Büchern hat das nichts verloren.

Alles in allem entsteht leider keine zusammenhängende Geschichte. Es sind merkwürdige Fragmente, fast schon Patchwork. Und auch die Erotik, die frühere Romane Kunderas so brillant durchzogen hat, bleibt eher platt.

Hinzu kommt die Kürze des Buches. Laut Verlagsangaben 144 Seiten. Aber viele Leerseiten und eine äußerst gedehnte Schrift würden bei einem „normalen“ Buch wohl eher zu 80 Seiten führen. Das Ganze dann als Roman zu bezeichnen, finde ich schon gewagt.

Schlussendlich war ich enttäuscht, auch wenn an manchen Stellen die alte Brillanz durchschimmerte. In manchmal wundervoll einfachen Sätzen kann Kundera Gedanken aussäen, die lange nachhallen. Leider gelingt es ihm in seinem neuen Buch nicht oft.

Anthony Horowitz „Der Fall Moriarty“ (****)

Anthony Horowitz_Der Fall MoriartyNach „Das Geheimnis der weißen Bandes“ war ich voller Vorfreude auf den neuen Band von Anthony Horowitz. Hatte er es doch geschafft, eine Sherlock-Holmes-Geschichte, wie vom Meister persönlich, zu schreiben. Und auch diesmal überzeugt er mit klarer und positiv antiquierter Sprache und mit Charakteren, die in ihre Zeit passen. Aber warum will diesmal der Funke nicht so ganz überspringen?

Die Geschichte setzt nach dem vermeintlichen Tod Sherlock Holmes´ an den Reichenfachfällen ein. Dabei ist wohl auch sein Kontrahent Moriarty mit in den Abgrund gestürzt.

Kurz darauf trifft der Pinkerton-Detektiv Frederick Chase aus New York in Europa ein. Dieser ist auf den Spuren eines Gangsterbosses unterwegs, der die Leere nach dem Tod Moriartys füllen will. Dabei trifft er auf den Inspektor Athelney Jones vom Scotland Yard. Der hat sich Sherlock Holmes wiederum zum Vorbild genommen und verfolgt verbissen und deduktiv alle Spuren. Gemeinsam werden die beiden zu einer Schnitzeljagd quer durch das dunkle London getrieben. Und gewisse Namen tauchen dabei immer wieder auf. Aber wie kann das sein?

Zur Geschichte selbst kann ich an dieser Stelle nicht allzu viel verraten, ohne Hinweise auf das unerwartete, spannende, aber auch überzeugende Ende zu geben. Nur so viel: die Story ist gut aufgebaut, alle Hinweise finden sich am Wegesrand und müssten eigentlich „nur“ richtig interpretiert werden. Ob die Geschichte an sich mich dann schlussendlich zufrieden gestellt hat? Nicht ganz. Zwischenzeitlich gab es da doch ein paar Längen. Und das Ende ist wohl Geschmackssache.

Sprachlich ist Horowitz ein wahrer Meister im Beschreiben der dunklen Gassen, der zwielichtigen Gangster, der Inspektoren bei Scotland Yard und, und, und. Gekonnt fängt er die Stimmung der damaligen Zeit ein und spielt dabei immer wieder mit dem Vorbild Sir Arthur Conan Doyles. Auch die zahlreichen Anspielungen auf andere Sherlock-Episoden lesen sich spanend und manchmal amüsant. Insgesamt durchzieht den Roman eine Spur der Gewalt, und die wird auch wesentlich blutiger und drastischer dargestellt, als in den Holmes-Geschichten. Das hat mir persönlich nicht so zugesagt.

Anzumerken ist vielleicht noch, dass alle Kindle-Leser mit einer kostenlosen Sherlock-Kurzgeschichte „Die drei Königinnen“ beglückt werden. Diese kann man bei Amazon herunterladen. Sie ist kurz und der Rest des Büchleins besteht aus einer Leseprobe für den Moriarty-Fall, aber es ist eine nette Zugabe. Und auch Athelny Jones bekommt darin seinen Auftritt.

Fazit: ein spannender und lesenswerter Roman, der sich für alle Sherlock-Holmes-Fans lohnen wird. Der Funke sprang diesmal nicht ganz auf mich über, aber bei Ihnen könnte er es durchaus tun.

Drei kurze Thriller- und Krimirezensionen

Tom Rob Smith_Ohne jeden ZweifelTom Rob Smith „Ohne jeden Zweifel“ (****)

Nach seinen zum Teil großartigen Romanen rund um Leo Demidow („Kind 44“, „Kolyma“, „Agent 6“) legt Tom Rob Smith den ersten Roman außerhalb der Reihe vor.

Daniels Mutter wurde in die Psychiatrie eingeliefert. Sie fühlt sich von Daniels Vater verfolgt. Daniel hat aber ein harmonisches Familienbild im Kopf und stellt sich nur widerwillig den Ängsten seiner Mutter. Was er dabei herausfindet, treibt auch ihn an den Rand seiner Belastbarkeit.

Fazit: ungewöhnliche Struktur, andersartig, spannend, unerwartete Wendungen, hallt lange nach. Aber irgendwas stört.

Stephan Ludwig_Wo kein LichtStephan Ludwig „Zorn – Wo kein Licht“ (****)

Der dritte Teil rund um Zorn und Schröder.

Zwei tolle Kommissare ermitteln und überzeugen dabei. Ein Selbstmord, eine Massenkarambolage, ein Anschlag auf dem Polizeiball, eine Staatsanwältin an ihrer emotionalen Grenze, ein Vermisstenfall und diverse private Probleme müssen unter einen Hut gebracht werden.

Zutaten: Humor, Privatleben, Spannung, Gewalt, Verzweiflung, Geheimnisse, Lesevergnügen. Trotz einiger Längen, freue ich mich schon auf den vierten Teil, der im Oktober 2014 erscheinen soll.

Martin Cruz Smith_TatjanaMartin Cruz Smith „Tatjana“ (*****)

Einer meiner Lieblingsermittler ist wieder im Einsatz. Arkadi Renko ermittelt in Moskauer Mafiakreisen und legt sich wie immer mit den falschen an.

Eine Journalistin stürzt aus dem sechsten Stock in den Tod, in der gleichen Woche, in der ein milliardenschwerer Mafiosi erschossen wird. Arkadi erkennt, dass zwischen diesen beiden Taten ein Zusammenhang besteht. Die Spuren führen ihn nach Kaliningrad, Hunderte von Kilometern entfernt.

Bei Martin Cruz Smith habe ich immer das Gefühl, dabei zu sein. Alles wirkt authentisch, beängstigend, menschlich. Arkadi ist ein großartiger Held mit dunklen Seiten. Er begleitet mich nun schon seit 20 Jahren durch mein Leseleben. Es ist wie Nachhausekommen. Schön und leider viel zu schnell vorbei.

 

Graeme Simsion „The Rosie Project“ (****)

Graeme Simsion_The Rosie ProjectGraeme Simsion „The Rosie Project“ (****)

Tillman Rules!

Popcorn-Kino in Buchform? Warum eigentlich nicht. Man merkt beim Lesen, dass es sich ursprünglich um ein Bühnenstück oder Drehbuch handeln sollte, aber das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Oft habe ich mich beim Loslachen oder zumindest Schmunzeln ertappt.

Der 39-jährige Genetik-Professor Don Tillman trägt sich mit dem Gedanken, eine Frau fürs Leben zu finden. Dumm nur, dass er wegen leicht autistischer Züge und sozialer Inkompetenz nicht gerade für das Speed-Dating taugt. Und so entwickelt er einen Fragebogen, der die Zahl seiner zukünftigen Partnerinnen drastisch reduziert. Allzu viele Menschen kommen nicht mehr in Frage und schon gar nicht Rosie. Die lernt er nämlich im Uni-Umfeld kennen, aber sie verfolgt ein eigenes Projekt.

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Elisabeth Herrmann „Versunkene Gräber“ (*****)

Elisabeth Herrmann_Versunkene GräberElisabeth Herrmann „Versunkene Gräber“ (*****)

Mittlerweile ist das mein vierter Roman von Elisabeth Herrmann und der zweite Roman um den Anwalt Joachim Vernau. Und man könnte sagen, dass ich inzwischen zum Fan geworden bin. Jeder Roman der Autorin versprüht einen besonderen Charme, ist hervorragend recherchiert und geschrieben.

Im vierten Teil um Joachim Vernau ist zunächst seine ehemalige Partnerin Marie-Louise spurlos verschwunden. Wie sich dann herausstellt, wird sie gemeinsam mit Vernaus Freund Jacek in Polen des Mordes verdächtigt. Vernau reist über die Grenze und ermittelt gemeinsam mit einer polnischen Anwältin. Er stößt dabei auf verschollene Briefe, einen alten Friedhof, Weinberge an den Ufern der Oder und auf alte Familientragödien.

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Jacques Berndorf „Die Grenzgängerin“ (*****)

Jaques Berndorf_Die GrenzgängerinJacques Berndorf „Die Grenzgängerin“ (*****)

Seit  Ende der 80er Jahre ist Jacques Berndorf (alias Michael Preute) ein äußerst produktiver Autor und verkauft inzwischen Millionenauflagen. Seine Eifel-Krimis sind bekannt, auch wenn ich selbst bisher noch keinen davon gelesen habe. Aber ich habe die 4 Romane rund um den BND-Agenten Karl Müller gelesen. Und ich bin von allen begeistert oder zumindest fasziniert.

In „Die Grenzgängerin“ überschneiden sich wie immer mehrere Fälle. Ob Müller in Tripolis in Gefahr gerät, Svenja in heikler Mission unterwegs ist, Goldhändchen mal wieder in fremden Netzen recherchiert oder wie Krause versucht, den ganzen Laden zusammen zu halten. Und ganz nebenbei gelangen wundersame Drogen und 1000 Kilogramm Sprengstoff mach Deutschland. Und niemand weiß, was damit geplant wurde. Aber irgendwie hängt am Ende doch alles zusammen.

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