C.J. Sansom „Die Schrift des Todes“ (****,*)

CJ Sansom_Die Schrift des TodesEr ist wieder da. Also Master Shardlake. Eine der besten historischen Kriminalreihen findet in „Die Schrift des Todes“ ihre Fortsetzung. Es ist inzwischen der sechste Fall für den von C.J. Sansom erschaffenen Rechtsanwalt und Ermittler mit dem Buckel.

Die historischen Romane haben es jeweils in sich. Daher zur Erinnerung hier noch einmal meine Bewertungen der vorhergehenden Bücher:

Pforte der Verdammnis (***,*)
Feuer der Vergeltung (*****)
Der Anwalt des Königs (****)
Das Buch des Teufels (****)
Der Pfeil der Rache (****)

Also allesamt Romane, die man sich als geschichts- und spannungsinteressierter Leser zu Gemüte führen sollte. Man muss die die Bücher aber nicht zwingend in dieser Reihenfolge lesen.

Im Londoner Sommer des Jahres 1546 neigt sich die Ära König Heinrichs VIII ihrem Ende zu. Unerbittlich bekämpfen sich Katholiken und Protestanten, die Jagd auf Ketzer wird immer gnadenloser. Matthew Shardlake wird in den Palast der Königin gerufen. Er soll ein brisantes Buch wiederfinden, das sie verfasst hat und das aus ihren Gemächern gestohlen wurde. Der Inhalt dieses Werkes könnte sie das Leben kosten. Zudem wurde eine Seite des Buches bei einem ermordeten Drucker gefunden. Der Rest des Buches ist jedoch verschwunden. Wer steckt dahinter?

Sansom bringt wie immer mehrere Handlungsstränge zusammen. Alle haben mit Master Shardlake zu tun, der inzwischen als Serjeant am Ende seiner beruflichen Laufbahn angekommen zu sein scheint. Ein Richteramt wird ihm wohl wegen seiner politischen Verwicklungen kaum angetragen werden.

Neben der Suche nach dem verschwundenen Buch der Königin, gilt es Streitigkeiten im eigenen Haushalt zu klären, einen skurrilen Erbschaftsstreit zu bewältigen und den Ränkespielen bei Hofe zu trotzen.

Es ist kein klassischer Krimi, geht es doch vor allem um das verschwundene Buch. Zwar gibt es einige Tote zu beklagen, aber auf denen liegt nicht das Hauptaugenmerk.

Die Personen sind wie immer allesamt gut getroffen. Ob Shardlake selbst, mit all seinen Fehlern und Eigenheiten. Oder andere, wie seine treuen Freunde Barak und Guy, aber auch der neue Gehilfe Nicholas. Sämtliche Nebenfiguren erreichen eine Tiefe, wie sie selten in Romanen zu finden ist. Viele der Figuren stehen einem förmlich vor Augen oder wachsen einem ans Herz. Na gut, nicht alle, manche sind auch einfach böse. 😉

Eine besondere Stärke in Sansoms Bücher ist zudem die detailreiche Beschreibung des Alltags der Tudor-Zeit. Dabei wird Geschichte real. Man wähnt sich im Tower, in den Hampton Courts oder auch als Zuschauer bei der Verbrennung Anne Askews. Die vielen grandiosen Beschreibungen verlangsamen zwar oftmals das Tempo des Romans, tragen aber entscheidend zur Tiefe bei. Zudem empfinde ich das Tempo jener Zeit angemessen. Und zudem beherrscht Sansom die Spannungsklaviatur perfekt. Er sorgt an den entscheidenden Stellen für Beschleunigung. Eine gewisse Weitschweifigkeit hat das Buch sicher, aber es wird nie langweilig.

Hinzu kommt, dass Sansom durch seine Beschreibungen in der Lage ist, die komplexe historische Gemengelage darzustellen. Dies betrifft dann sowohl die Ränkeschmiede am Königshof, wie auch die religiösen Zerwürfnisse dieser Zeit, in der ein Jeder versucht, sich selbst vor dem Schafott oder dem Scheiterhaufen zu bewahren. Die Angst und die bedrückende Atmosphäre jener Zeit kriecht einem in den Körper.

Und zum Ende tritt eine Entwicklung ein, die auf weitere Shardlake-Romane hoffen lässt. Aber das müssen Sie selbst lesen. Dafür gibt es von mir eine klare Empfehlung.

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