C.J. Sansom „Der Pfeil der Rache“ (****)

C.J. Sansom „Der Pfeil der Rache“ (****)

Begonnen hat alles mit der „Pforte der Verdammnis“. Danach war ich von C.J. Sansoms Romanreihe aus dem 16. Jahrhundert rund um den buckligen Anwalt Matthew Shardlake infiziert.

Sein mittlerweile 5. Teil der Romanreihe ist wieder ein Stück außerordentlicher Literatur. Allerdings sind Sansoms Romane nichts für ungeduldige Leser. Der Autor lässt sich Zeit.

C.J.Sansom, geboren 1952, ist in Edinburgh aufgewachsen. Er studierte zwar zunächst Geschichte an der University of Birmingham, arbeitete dann aber als Anwalt.  Später begann er zu schreiben und lebt mittlerweile in Brighton.

Die BBC ist gerade dabei, den ersten Teil der Matthew-Shardlake-Reihe für das Fernsehen zu verfilmen. Die Hauptrolle hat Kenneth Branagh übernommen.

Zum Buch:

2 Jahre nach dem „Buch des Teufels“ übernimmt Master Shardlake im Auftrag der Königin einen neuen Fall. Währenddessen erwartet Jack ungeduldig die Geburt seines Kindes. Die gute Joan ist verstorben und es gibt neue Hausangestellte in Shardlakes Haushalt. Guy fürchtet um seine Existenz und Ellen Fettiplace hält den Master auf Trab.

Im Prinzip ermittelt Matthew Shardlake in zwei grundlegenden Fällen, während im Laufe des Buches auch alte Konflikte erneut aufbrechen und weitere entstehen.

Matthew versucht die Vergangenheit Ellen Fettiplaces zu ergründen, wobei ihm die Reise, die er wegen des anderen Falles unternehmen muss, sehr zupass kommt.

Im Auftrag der Königin ermittelt Master Shardlake nämlich im Fall Michael Calfhill. Der scheint sich erhängt zu haben. Doch war es wirklich Selbstmord? Calfhill arbeitete als Lehrer und hatte sich dabei insbesondere der Familie Hobbey angenommen. Von einem seiner Besuche bei der Familie kommt er verstört wieder zurück.

Zusammen mit Barak, der eigentlich überhaupt keine Lust hat, seine hochschwangere Frau zurückzulassen, machen sie sich auf den Weg in den Süden, unter anderem nach Portsmouth. Hier werden die anlandenden französischen Truppen erwartet, was die Gegend zu einem Schmelztiegel Englands werden lässt.

Wie immer lässt sich C.J. Sansom viel Zeit bei der Entfaltung seiner Geschichte und derer Charaktere. Diese wachsen einem deshalb auch besonders ans Herz. Diesmal steht hauptsächlich Matthew, mit all seinen Stärken, Schwächen und Zweifeln im Mittelpunkt. Und kann wie immer überzeugen. Gelegentlich möchte man ihn zurückhalten, aber dann wäre er nicht Master Shardlake.

Die Geschichte ist wie immer in einen prallen, historischen Hintergrund eingebettet. Die Details der Beschreibungen (ohnehin eine von Sansoms Stärken) lassen Bilder im Kopf entstehen, wie es nur wenige historische Romane vermögen. Zum Beispiel geht er detailliert auf das Bogenschießen ein oder erläutert Hintergründe zum Krieg, den Henry durch den Einfall in Frankreich zu verantworten hat.

Wenn Sie historische Krimis mögen, die die entsprechende Zeit und die Geschichte lebendig werden lassen, dann sind Sie hier richtig. Aber Sansoms Bücher sind nichts für Ungeduldige. Nehmen Sie sich Zeit.

Bei der Shardlake-Reihe darf man sich ausnahmsweise auch von den schön gestalteten Covern verführen lassen. Man muss die Bücher auch nicht unbedingt der Reihe nach lesen. Aber es hilft dabei, die Charaktere besser zu verstehen. Und es lohnt sich. Hier noch einmal die Reihenfolge der Serie:

1. Pforte der Verdammnis (***,*) 2. Feuer der Vergeltung (*****) 3. Der Anwalt des Königs (****.) 4. Das Buch des Teufels (****) 5. Der Pfeil der Rache (****)


Warum dann hier nur 4 Sterne? Aus meiner Sicht hätte die Geschichte etwas kürzer erzählt werden können; gerade zu Beginn des Buches gibt es Längen. Auch die Auflösung der Fälle ist nicht ganz nach meinem Geschmack.

Das ist aber Meckern auf ganz hohem Niveau. Ich habe das Lesen aller Shardlake Bücher bisher genossen.

Zur Wertung:

Originalität:                ****

Charakterzeichnung:  *****

Handlung:                  ***

Sprache:                      ****

Humor:                       *

Gesamtwertung:         4 / 5

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