Bilden Sie sich eine eigene Meinung!

Bilden Sie sich eine eigene Meinung!

Einmal mehr zeigt sich, dass man sich nicht ausschließlich auf Rechercheergebnisse im Netz verlassen sollte. Die beste Vorsorge gegen Meinungsmanipulation ist immer noch das eigene Nachdenken.

Damon Albarn in Berlin …

Damon Albarn in Berlin. Und ich war nicht dabei … Schnief.

Nina George „Das Lavendelzimmer“ (****)

Nina George_Das LavendelzimmerNina George „Das Lavendelzimmer“ (****)

Nina George schreibt normalerweise Erotikromane unter Pseudonym. Und auch das Cover ist eher auf die wahrscheinliche Zielgruppe (Frauen :-) ) ausgerichtet. Trotzdem haben mich zahlreiche Kritiken (insbesondere von anderen Autoren) dazu bewogen, diesen Roman zu lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Der Pariser Buchhändler Jean Perdu verkauft bestimmte Bücher nur an bestimmte Menschen. Er allein entscheidet, welches Buch zu seinem Kunden passt. Nur für sein eigenes Leben scheint es keine geeignete Lektüre zu geben. Seit jener unglücklichen Liebe vor 21 Jahren verläuft sein Leben gleichförmig, von einer tiefen Enttäuschung durchzogen. Den Brief, den sie ihm hinterließ, hat er nie gelesen. Bis jetzt, als eine neue  Nachbarin die Wohnung bezieht. Und was in diesem Brief steht, verändert ihn und das Leben vieler weiterer Menschen. Jean Perdu bricht auf und findet lange nicht an sein Ziel. Bis es schließlich zu ihm kommt.

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Charlotte Brontë „Jane Eyre“ (***)

Charlotte Brontë_Jane EyreCharlotte Brontë „Jane Eyre“ (***)

Mit Weltliteratur ist das ja immer so eine Sache. Manchmal gefällt sie mir, ja reißt mich gar mit, und manchmal breche ich ob der manierierten Sprache, der Weitschweifigkeit oder schlichten Langeweile einfach ab. Manche der großen Bücher kommen für mich auch einfach zur falschen Zeit. Entweder bin ich noch nicht bereit dafür oder bereits über die Phase meines Lebens hinaus, in der mich gerade dieses Buch hätte berühren können.

Ebenso oft habe ich festgestellt, dass es an den Übersetzungen liegt, ob mir ein Roman gefällt oder nicht. Im Falle von „Jane Eyre“ las ich die Übersetzung von Gottfried Röckelein aus dem Jahre 1998. Und das war gut so. Sprachlich in meinen Augen hervorragend übersetzt, mit einem Gefühl für moderne Sprache, ohne aber die alte Sprache dabei zu verleugnen. Warum hat mir der Roman trotzdem nicht gefallen?

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Wolfgang Herrndorf „Arbeit und Struktur“ (*****)

Wolfgang Herrndorf_Arbeit und StrukturWolfgang Herrndorf „Arbeit und Struktur“ (*****)

Bin ich ein Voyeur, weil ich dieses Buch gelesen habe? Gehe ich nach Wolfgang Herrndorf selbst, dann wohl nicht. Schließlich wollte er seine Aufzeichnungen ausdrücklich in die Öffentlichkeit, zunächst als Blog, stellen. Ob man daraus dann ein Buch machen muss, darüber lässt sich sicherlich streiten, aber beim Charakter der Veröffentlichung bleibt es dennoch. Die Buchform ist zudem besser lesbar. Das Blog warf da doch eher eine Form von Schlaglichtern auf die Texte. Und auch Wolfgang Herrndorf selbst las während seiner Krankheit in Blogs und Foren anderer Betroffener. Aus den Texten darüber geht kein Unbehagen hervor. Und so denke ich, dass ich ein zumindest geduldeter Voyeur, ohne schlechtes Gewissen, bin.

Wolfgang Herrndorf ist Schriftsteller und leidet an einem bösartigen, hirneigenen Tumor, einem Glioblastom.

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Marc-Uwe Kling “Die Känguru-Offenbarung” (*****)

Marc Uwe Kling_kaenguru_offenbarungMarc-Uwe Kling “Die Känguru-Offenbarung” (*****)

Auch das dritte Buch der Känguru-Reihe hat mich wieder gepackt. Kapitalismuskritik und Klamauk genau in der richtigen Mischung.

Diesmal suchen der Kleinkünstler und das Känguru nach dem mysteriösen Pinguin, dem nach wie vor unterstellt wird, an einer Weltverschwörung zu arbeiten. Die Reise der beiden führt quer über alle Kontinente, wobei das verbindende Handlungselement diesmal geschlossene Schlecker-Filialen und diverse Songtexte sind.

Die Austauschbarkeit der globalisierten Welt (in der zufälligerweise fast alle deutsch sprechen), Kängurus, die Namen von Boygroupsängern haben, komplette Szenen mit Songtexten, Anti-Terror-Anschläge des Asozialen Netzwerks, das personifizierte Böse in Form eines Controllers und tausend andere, hintergründige und subversive Ideen. Manchmal muss man erst hinter den Humor schauen, um den Inhalt einer Geschichte zu verstehen und das ist gut so.

Fazit: skurril, witzig, politisch, politisch unkorrekt und unterhaltsam. Ich freue mich schon auf den Auftritt von Marc-Uwe Kling im Mai im Potsdamer Waschhaus.

Neulich … im Supermarkt

Neulich … im Supermarkt

Ich verstaue gerade meine Einkäufe und stopfe die Milchpackung in meinen Rucksack. Ich versuche noch zu verarbeiten, dass die Kassiererinnen scheinbar gezwungen wurden, sich kleine, schwarze Papphüte auf den Kopf zu setzen. Das Gummiband schneidet kleine Furchen in ihre Wangen. Geht da keine Gewerkschaft gegen vor? Gut, dass die Faschingszeit bald vorbei ist.

Um mich herum wuselt es. Wortfetzen erreichen zwar meine Ohren, kommen aber nicht weiter.  Der Pfandflaschenautomat heult in nervtötender Art vor sich hin. Kann das mal jemand abstellen?

Da klimpert es hinter mir an der Kasse. Das Fallen von unzähligen Münzen auf Ladenfliesen. Die arme Sau, denke ich noch. Da ruft plötzlich jemand: “Kamelle!”. Ich muss lachen. Dann ungeahnter Tumult in meinem Rücken. Ich drehe mich nicht um, mir genügt allein die Vorstellung der über den Boden kriechenden Menschen. Und zwischendrin ruft jemand weinerlich und schon ein bisschen verzweifelt: “Nein!”.

Graeme Simsion „The Rosie Project“ (****)

Graeme Simsion_The Rosie ProjectGraeme Simsion „The Rosie Project“ (****)

Tillman Rules!

Popcorn-Kino in Buchform? Warum eigentlich nicht. Man merkt beim Lesen, dass es sich ursprünglich um ein Bühnenstück oder Drehbuch handeln sollte, aber das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Oft habe ich mich beim Loslachen oder zumindest Schmunzeln ertappt.

Der 39-jährige Genetik-Professor Don Tillman trägt sich mit dem Gedanken, eine Frau fürs Leben zu finden. Dumm nur, dass er wegen leicht autistischer Züge und sozialer Inkompetenz nicht gerade für das Speed-Dating taugt. Und so entwickelt er einen Fragebogen, der die Zahl seiner zukünftigen Partnerinnen drastisch reduziert. Allzu viele Menschen kommen nicht mehr in Frage und schon gar nicht Rosie. Die lernt er nämlich im Uni-Umfeld kennen, aber sie verfolgt ein eigenes Projekt.

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Elisabeth Herrmann „Versunkene Gräber“ (*****)

Elisabeth Herrmann_Versunkene GräberElisabeth Herrmann „Versunkene Gräber“ (*****)

Mittlerweile ist das mein vierter Roman von Elisabeth Herrmann und der zweite Roman um den Anwalt Joachim Vernau. Und man könnte sagen, dass ich inzwischen zum Fan geworden bin. Jeder Roman der Autorin versprüht einen besonderen Charme, ist hervorragend recherchiert und geschrieben.

Im vierten Teil um Joachim Vernau ist zunächst seine ehemalige Partnerin Marie-Louise spurlos verschwunden. Wie sich dann herausstellt, wird sie gemeinsam mit Vernaus Freund Jacek in Polen des Mordes verdächtigt. Vernau reist über die Grenze und ermittelt gemeinsam mit einer polnischen Anwältin. Er stößt dabei auf verschollene Briefe, einen alten Friedhof, Weinberge an den Ufern der Oder und auf alte Familientragödien.

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Jacques Berndorf „Die Grenzgängerin“ (*****)

Jaques Berndorf_Die GrenzgängerinJacques Berndorf „Die Grenzgängerin“ (*****)

Seit  Ende der 80er Jahre ist Jacques Berndorf (alias Michael Preute) ein äußerst produktiver Autor und verkauft inzwischen Millionenauflagen. Seine Eifel-Krimis sind bekannt, auch wenn ich selbst bisher noch keinen davon gelesen habe. Aber ich habe die 4 Romane rund um den BND-Agenten Karl Müller gelesen. Und ich bin von allen begeistert oder zumindest fasziniert.

In „Die Grenzgängerin“ überschneiden sich wie immer mehrere Fälle. Ob Müller in Tripolis in Gefahr gerät, Svenja in heikler Mission unterwegs ist, Goldhändchen mal wieder in fremden Netzen recherchiert oder wie Krause versucht, den ganzen Laden zusammen zu halten. Und ganz nebenbei gelangen wundersame Drogen und 1000 Kilogramm Sprengstoff mach Deutschland. Und niemand weiß, was damit geplant wurde. Aber irgendwie hängt am Ende doch alles zusammen.

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